Seiten

Montag, 17. Dezember 2012

Meine Abwesenheit...

… oder sollte ich es "sporadische Anwesenheit" nennen? Jedenfalls möchte ich mich dafür entschuldigen, oder besser: rechtfertigen.

In der letzten Zeit hat sich herausgestellt, dass die wohl anstrengendste Zeit mit Zwillings-Minis nicht die ersten Monate sind - na ja, vermutlich doch, aber daran erinnere ich mich glücklicherweise nicht mehr - , sondern die Monate, die nach ihrem ersten Geburtstag folgen. Ich bin völlig platt, kaputt und ausgebrannt und kann es kaum erwarten, dass der Gatte und ich endlich ein paar Tage Urlaub haben - und ich die Jungs hoffentlich ein wenig unseren Eltern aufhalsen kann.

Sie sind Lausbuben, wie sie im Buche stehen und werden von Tag zu Tag mobiler und erfindungsreicher. Ich hole manchmal nach dem Büro aus der Krippe ab und zähle dann schon die Stunden, bis ich sie ins Bett verfrachten kann. Diese Energie ist unfassbar, keine Minute stillsitzen, sie sind permanent in Bewegung. Ich kann mir nicht erklären, wie das funktioniert. Da werden Türen zugehauen und Verstecken gespielt, das Sofa wird erklommen - inzwischen reicht das pure Hochklettern nicht mehr, nein, sie rennen auf dem Sofa entlang - natürlich ohne ausreichende Körperkontrolle und lassen sich dann voller Vertrauen in unsere Arme fallen, die hoffentlich dann auch bereit sind; sie klettern selbständig in ihre Hochstühle und stehen dann freudestrahlend im Sitz und klatschen in die Hände, was mir ständig Herzaussetzer beschert.

Sie haben entdeckt, wie unsere Toilettendeckel hochgeklappt werden und sich eine ordentliche Wasserschlacht geliefert (Gott sei dank ist unsere Toilette wirklich blitzeblank) - das Video dazu ist sensationell. Ja, ich habe gefilmt, statt einzugreifen.

Sie können Lichtschalter bedienen, auf Leitern steigen, Treppen erklimmen, iPhones entriegeln… sie kommen an unseren Schreibtisch und räumen ihn regelmäßig ab, immer auf der Suche nach elektronischen Geräten, die sie noch nicht kennen und erforschen können. Unser Babyfon läuft jetzt im niederländischen Modus, wir sind also dabei, eine neue Sprache zu lernen ("zoekt" heißt "sucht" und "gelinkt" "verbunden"), weil wir keine Ahnung haben, wie sich das verstellen lässt und die Gebrauchsanleitung, natürlich, den Jungs schon vor langer Zeit zum Opfer gefallen ist, als sie meine Nachttischschublade geplündert haben.

Sie können Schubladen und Schränke öffenen, heute haben sie zu meiner enormen Begeisterung entdeckt, dass man sich in Schubladen auch reinsetzten kann. Während man den kompletten Inhalt ausräumt. Und den aus nebenliegenden Schubladen ebenfalls. Juhu. Eine Malm-Schublade hält übrigens zwei Einjährige nicht aus, einen dagegen schon. Was man nicht alles lernt.

Dieser Standardspruch, den alle ständig anbringen, "oh toll, zwei in einem Aufwasch, super, die haben ja immer sich und spielen miteinander" , den kann ich nur entschieden widerlegen. Nein, sie spielen nicht miteinander, ganz im Gegenteil. Sie nerven sich ständig und wenn einer mal brav alleine vor sich hin spielt, kommt todsicher nach zwei Minuten der andere und nimmt ihm das Spielzeug weg. Und dann stehend zwei kreischende, heulende Minis vor mir und wollen beide gleichzeitig unbedingt getröstet und geknuddelt werden. Was zu neuerlichen Schubsereien führt, weil der andere nicht ebenfalls auf meinem Schoß sitzen darf. Und dann muss mindestens einer von ihnen seinen Kopf auf den Boden hauen. Manchmal sehen sie aus wie mini Einhörner, weil sich ihre Wutausbrüche in Form von kleinen Beulen mitten auf der Stirn ablesen lassen.

Den Kinderwagen finden sie nach spätestens 30 Minuten nicht mehr erträglich, an der Hand laufen sowieso, da wird sofort der Arm weggezogen, gefolgt von einem entrüsteten "äääähhhhh", was übersetzt soviel bedeutet wie "laaaass miiiiich! Ich kann das alleiiiine". Tragen finden sie noch prima (meistens), aber bei zwei Über-10-Kilo-Brocken teilt mein Rücken diese Begeisterung nicht mehr. So süß es auch für Außenstehende aussehen mag, wenn die Zwerge mit hochgereckten Armen vor einem stehen - mein erster Gedanke ist dann "Och nein, nicht schon wieder". Was zur Folge hat, dass ich, statt Hochheben, verdammt viel Zeit bei ihnen auf dem Boden verbringe. Das ist für mich eigentlich die überraschendste Erkenntnis: als Mutter legt man ganz schnell (also ich jedenfalls) jegliche Etikette ab und fläzt sich in den verschiedensten Situationen ungeniert und rückenschonend auf den Boden. Ist aber, soweit ich das überblicken kann, mein einziges Mutterproblem. Ich dusche noch, wasche mir die Haare und schminke mich. Und ich rede nicht über volle Windeln.

So sieht zur Zeit also mein Leben aus. Ich gehe ins Büro (hurra! Auszeit!), bin kurzfristig ein normaler Mensch unter vielen anderen und kehre nachmittags zu meinen kleinen Monstern zurück, um mich von ihnen beklettern, verschmieren und piesacken zu lassen. Dennoch: ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie mehr gelacht als jetzt. Und ich freue mich jeden Tag auf ihre kleinen Gesichter, die aufleuchten, wenn sie mir in der Krippe entgegenrennen und es sich dann auf meinem Schoß gemütlich machen und vor sich hinplappern, "oydidoydioyyy" oder "detda", "gagn" und etwas das nach "aldaa!" klingt.

 

So. Jetzt ist es raus. Es wird nicht leichter, es wird schwiiiieriger.

Ich erwarte mit Ungeduld die nächste Phase und hoffe sehr auf baldige Erziehbarkeit.

 

 

IMG 2678

 

Kommentare:

  1. Sehr beruhigend. So ein Exemplar habe ich auch hier.

    AntwortenLöschen
  2. Oh, ist das schön von Leidensgenossen zu hören! :-)

    AntwortenLöschen
  3. Oha, es geht ja richtig ab bei euch :-D Herrlicher Post! Und, falls es dich beruhigt: Max und Pol haben am Freitag Hundefutter gegessen. Fast eine ganze Schüssel zu zweit. Und waren total entsetzt als ich versucht habe es aus ihrem Mund zu fischen. Yay! (Das EINE Mal dass ich vergessen habe den Napf wegzustellen...unbelievable.)

    AntwortenLöschen
  4. Sehr schön geschrieben, auch beim Lesen schwankt man zwischen Mitleid und einem seeligen "hach wie süß" - und so ist es ja, machen wir uns nicht vor - permanent mit Kleinkindern. Meiner einer ist fast 3 und was der alles auf dem Sofa anstellen kann, mag ich dir gar nicht erzählen. Du hast alles im Doppelpack :-)Nicht verzweifeln.

    liebe Grüße, janine

    AntwortenLöschen
  5. Nein, dieser Artikel schreckt mich nicht davon ab mir Zwillinge zu wünschen :D Herrlich zu lesen :)

    AntwortenLöschen
  6. Trotz allem Stress den man rauslesen kann, finde ich dass es so süss klingt und so sehr nach Liebe! Ich denke das zahlt sich alles irgendwann aus. Und bis dahin durchhalten und weiter lachen ;)

    AntwortenLöschen